*EDITORIAL, Gesellschaft

Libyen-Leugner & andere Zwerge

20. March 2011

[by Eima] Mit den aktuellen Aufständen in Libyen ist eine neue Hochsaison der Verschwörungszwerge aller Wohlstandsherrenländer mit Social-Media-Alias angebrochen. Nachdem sie vor 10 Jahren ihren fulminanten Einstand feierten, als sie mit besonderer Hingabe die Ereignisse rund um 9/11 als von langer Hand geplantes Werk düsterer Westmächte zu entlarven glaubten, ist nun der Aufstand des Maghreb dran. Der ist selbstredend wieder ein durch die medialen Handlager unserer abgrundtief bösen Regierungen vollständig künstlich herbeigeführtes Ereignis, dessen Motivation nur die Ölgier supergeheimer Illuminati ist. Seit Wochen diffamieren Verschwörungsfuzzis im Sekundentakt jeden, der seine Sichtweise zu den Ereignissen in Nordafrika darlegt. So geschehen auch heute, als ein in Deutschland lebender Tunesier es wagte, sich im Facebook Profil der ZEIT  kritisch über Gaddafi zu äußern:

(…) wer sagt, dass Ghaddafi sein Volk schlecht behandelt und Menschen getötet hat? Dann nenne mir mal eine Quelle, die das berichtet. Dürfte ja kein Problem sein, wenn das offensichtlich ist. Wo steht das?

Zwerg,

niemand muss Dir Quellen vorlegen. Niemand außer Du selbst ist für Dein Unwissen verantwortlich. Dass Du Dir Beflissenheit glaubst andichten zu können, indem Du jedes kritische Ereignis als Lüge propagierst, könnte man belachen, würdest Du damit nicht denen schaden, die am meisten unter ebendiesen Ereignissen leiden. Nein, Du bist nicht zu belachen. Du bist ein Arschloch hinter einem Bildschirm, der nichts weiß, nichts hat und nichts ist. Der intellektuell nicht in der Lage ist, Informationen zu filtern. Der über keine Kontakte verfügt, die ihn aus erster Hand informieren. Der keine Mittel und keine Ambitionen hat, direkte Informationen aus eigener Hand zu sammeln. Du bist ein Zwerg mit nichts weiter als einem Internetanschluss, manipulativem Talent, wo bei anderen der Charakter sitzt und mit viel Zeit und Muße zum Kompensieren Deiner Charakterlosigkeit.

Gaddafi war niemals Freund der Libyer. Gaddafi war schon Mörder als profilneurotische Verschwörungsspinner noch Muster in ihren Milchbrei machten. Als Gaddafi später selbst mit Hilfe hoch dotierter PR-Manager ganz bewusst sein Image zum skurril niedlichen Wüstenwüstling umpolierte, um sich seines Stigmas zu entledigen und global mitzumischen, nahmen die bewussten Facebookprofilneurotiker zwar bereits feste Nahrung auf, hatten aber immer noch keine Ahnung von Tuten und Blasen. Irgendwann lernten sie, dass man nicht immer alles glauben darf, was man hört und liest. Um das eigene Persönlichkeits-Vakuum zu füllen, kreierten sie ein Genre: Der Verschwörungstheoretiker 2.0 war geboren – Superlativ des kritischen Kenners zum Quadrat, der in Wahrheit freilich nicht mehr ist, als ein Armleuchter mit einem Facebook-Account.

Man muss keine Familie in Libyen haben wie ich, um zu wissen, was sich in diesem Land seit 1969 zugetragen hat.  Alles was es braucht ist ein Mensch mit Hirn, Herz und gesundem Rückgrat, der sein Ego nicht missbrauchen muss, um Recht zu haben, sondern dem Verstehen widmet. Unter all dem Blut, das jetzt fließt, geschieht mit einem Paradigmawechsel sondergleichen etwas Wunderbares. Die Interaktvität, die uns allen zur Verfügung steht, uns teilen und unsere Unterschiede und Gemeinsamkeiten wahrnehmen lässt, hat die Jugend des Maghreb veranlasst, auszubrechen, und das mit so einer ungeheuerlichen Kraft, die sich nur aufbauen kann, wenn man ein Menschenleben lang nicht nur von dem abgeschnitten war, was für uns selbstverständlich ist, sondern noch dazu bis ins Mark drangsaliert wurde. Natürlich wissen wir nicht, was Libyen noch bevorsteht. Zu befürchten ist, das noch ein sehr langer, schwerer Weg bevorsteht, bis sich dieses Land neu ordnet, politisch stabilisiert und zu seiner Schönheit und seinem kulturellen Reichtum zurückfindet.

Die Opportunisten unserer Regierungen haben getan, was die meisten Menschen tun, wenn sie einflussreiche Positionen bekleiden: Sie haben Mammon und Macht den Vortritt gelassen und sich auf das Spiel des Chamäleons Gaddafi eingelassen. Wie jeder von uns sich im Kleinen schonmal auf jemanden eingelassen hat, von dem er „eigentlich“ wusste, dass er nicht gut für ihn ist. Um irgendwann mit mehr oder weniger erheblicher Verzögerung den fatalen Fehltritt (an) zu erkennen. Wie schnell wendet sich ein Mensch nach solch einer Geschichte von seinem Gegner ab? Nicht sofort, weil man nur so die eigene Lüge rechtfertigen kann, denn nur so bekommt man einen Vorlauf, der es erlaubt zu sagen, man habe sich geirrt. Auf diese Weise kann man sich überdies an den Verlust der Privilegien gewöhnen, die diese hässliche Verbindung mitgebracht hat.

So einfach ist das. Man könnte den Verschwörungszwerg einfach ignorieren. Verleiht er jedoch seiner Widerwärtigkeit Ausdruck, indem er den Mord an Libyern zu Gaddafis Lebzeiten leugnet, ist es Zeit, ihm zu sagen, dass er sich damit mit all jenen in einer Liga bewegt, die Greueltaten wie die im Holocaust leugnen. Den Mord an Libyern durch Gaddafi zu leugnen, ist ein Schlag ins Gesicht für jeden Libyer im Land oder im Exil, ganz gleich wie dumm und klein der Abschaum ist, der so etwas sagt. Ich wünsche diesen Charakteramateuren, dass niemand das Leid jemals leugnen wird, das ihnen geschehen ist und geschehen wird.

2 Kommentare

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    Reagieren Tamim 20. March 2011 at 18:03

    Ich kann dieses Verschwörungsgehabe nicht mehr hören. Sobald ich die ersten Sätze höre schalte ich auf Durchzug. Verwschörungstheorien sind nur die Ausrede für Nichtstunmüssen. Ekelhaft.

  • Asisa
    Reagieren Asisa 20. March 2011 at 18:20

    Ja genau, geht mir auch so. Eine Landplage, omnipresent! Und das geht erst los. Egal, was unsere Geschichte noch schreiben wird, wir können uns sicher sein, dass die Hornochsen aller Herren Länder daraus ihr Ego stricken werden. Schattenseiten 2.0 und Folgende …

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