*EDITORIAL, Inspiration

Hoffnung regiert die Welt

1. July 2011

[by Asisa] Man muss immer etwas haben, das man sich wünscht. Etwas, auf das man hofft. Etwas, das man unbedingt möchte und auf das man sich freut. Sonst stirbt man.

Es ist egal, wie groß oder klein dieses Ding ist. Ein Ding kann, je nach Person, ganz unterschiedliche Dimensionen haben. Ein schöner Film am Abend, auf den man sich den ganzen Tag freut. Ein schönes Buch. Ein schönes Projekt. Ein Spaziergang. Ein Treffen. Ein Wiedersehen. Und natürlich all die Dinge, die wir auf unsere Bucket Lists schreiben — unsere Liste mit Lebenswünschen. Die sind meistens geheim, weil sie verletzbar sind. Deshalb schützen wir sie. Manche sind so verletzbar, dass wir sie eine Zeit lang sogar vor uns selbst schützen.

Dieses Etwas, all diese großen und kleinen Dinge, die wir uns wünschen und auf die wir uns freuen, bilden mein Verständnis von Hoffnung.

Das allgemeine Verständnis des Begriffs Hoffnung erscheint mir oft merkwürdig. Menschen sagen oft „As long as there is hope„, wenn eine Situation ausweglos erscheint. Dann seufzen sie. Für sie ist Hoffnung ein passiver Akt — ein Substantiv — an dem sie sich festhalten. Sie verstehen Hoffnung als Möglichkeit, die von außen zu ihnen kommt, wenn sie Glück haben. Für mich ist Hoffnung ein Verb und ein außerordentlich aktiver Vorgang, der, je nach Art des Wunsches und je nach den Lebensumständen eines Menschen, in Schweiß, Tränen und sogar Todesangst mündet. Hoffnung ist der Oberbegriff für einen fortlaufend aktiven Prozess, eine ständige Bewegung des Lebens, die gezehrt wird von tiefer Verheißung.

Hoffnung ist der Motor, der uns am Leben hält. Solange wir Zugang zu diesem Etwas haben, sind wir sicher.

Wer immer auch den Menschen gemacht hat, hat es sehr raffiniert angestellt, als er uns den Wunsch nach Wünschen einpflanzte. Dies Pflanzerl, das alles hier auf dieser Welt am Laufen hält. Ich schreibe das und es macht mich so glücklich. Stellen Sie sich dieses Pflänzlein in Ihnen vor. Das zarte Grün. Seine kecken kleinen Blätter. Wie es wächst, der Sonne entgegen, wenn wir ihm Wasser geben und gut zu ihm sind. Es gut versorgen. Dieses große kostbare Glück, diese Form von Leben in uns tragen zu dürfen. Dass wir Pläne schmieden können, ganz gleich, welchen Hindernissen wir ausgesetzt sind. Wir werden immer wieder neue Wege finden, sie zum umschiffen, Hauptsache wir schaffen eine neue, erstrebenswerte Hoffnung, auf die wir zusteuern können.

Auf den ersten Blick wirken wir verschieden — und sind es auch. Der eine möchte ’nur seine Ruhe haben‘. Der andere will die Welt verändern. Und doch bewegt jeder — wie groß oder klein seine Hoffnung auch ist — mit seinen Wünschen diese Welt und hält sie am Leben.

2 Kommentare

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    Reagieren Guus B. 1. July 2011 at 13:14

    Hast Du schön gesagt.

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