*EDITORIAL, Amsterdam, Food

Brezen aus Amsterdam

11. May 2011

Wenn der Frühling kommt, dann schick ich Dir Brezen aus Amsterdam!

[by Eima] Als gute Rheinländerin spreche ich gerne ausgiebig über meine Krankheiten und beleuchte all ihre Details (rheinische Hypochondrie). Letzte Woche raffte mich eine Magendarmgrippe eines bislang ungekannten Ausmaßes darnieder. Sie können froh sein, dass ich gerade keine Zeit habe, das angemessen zu erläutern und deshalb ausnahmsweise umgehend zum Kern der eigentlichen Sache komme.

Am 5. Tag dieses infernalischen Infekts radelte ich nach einem anstrengenden Tag im Büro ein bisschen durch die frische Luft einer der Hauptverkehrsstraßen Amsterdams, als ich am Straßenrand plötzlich eine Frau in bayerischer Tracht sah. In Amsterdam. Ich dachte, okay Eima, jetzt hast Du Fieber. Jetzt musst Du wirklich zum Arzt.

Drei Jahre München haben mich ein Fürchten gelehrt, das bis heute bei jeder Form bayerischer Thematisierung sofort wieder aufflammt. Ich vermeide restlos alles, was aus Bayern kommt, mit Ausnahme der bayerischen Küche natürlich. Also lege ich eine Vollbremsung hin, springe vom Rad und renne auf diese arme Frau los, die gerade einen Sonnenschirm schließen wollte , diesen jetzt jedoch fest umklammert und mich dabei ängstlich anlächelt.

„Was? Was … ???“, stammel ich fiebrig und bringe keinen Satz zustande. Macht aber nichts. Eigenartige Situationen scheint die Frau gewohnt zu sein. Sie führt mich souverän und charmant in die Räumlichkeiten ihres Cafés. Ich frage sie, ob sie Bayerin sei. Nein, sagt sie und klärt mich auf. Sie trägt diese Tracht jeden Tag, einfach, weil sie es liebt. Genauso, wie deutschen Kuchen, deutsches Brot und frisch gebackene Brezen!

Brezen

Ich bin außer mir. Brezen! Wie habe ich die vermisst! Sofort kaufe ich zwei und bekomme drei. Ich lausche ihren Erzählungen. Yvette Steehouwer ist ein entzückendes Geschöpf, das sich mit vollem und ganzem Herzen der deutschen Café-Kultur verschrieben hat und eine kleine Oase deutscher Gemütlichkeit in Amsterdam geschaffen hat. Mit echter Liebe zum Detail vereint sie freundlich und leidenschaftlich, liebevoll und tüchtig die Klaviatur deutscher Tugenden, wie man sie sonst nur in den Bilderbüchern aus der Märchenabteilung findet.

Yvette Steehouwer

Lunchroom Brezel ist der Name ihres gemütlichen kleinen Cafés, das als eines der wenigen in Amsterdam schon sehr früh öffnet. Ab 07:30 Uhr kann man sich hier mit einem hübschen kleinen Sortiment an Frühstücksleckereien zum Mitnehmen eindecken und damit Partner und Kunden aus aller Herren Länder neidisch machen – ein erprober Riesenspaß, den Sie sich nicht entgehen lassen sollten! Irgendwann müssen sie denen im Interesse der stabilen Auftragslage allerdings etwas abgeben. Kaufen Sie also reichlich ein! Oder Sie kuscheln sich in ein Eckchen und genießen Sie in aller Ruhe ein ausgedehntes Frühstück vor Ort mit allem Drum und Dran.

Gärtchen Hinterhof

Lunchroom Brezel First floor

Empore

Ich habe zuhause alle drei Brezen sofort mit etwas Butter verschlungen. Köstlich! Abends noch ein warmes Essen einer anderen, sehr besonderen Frau aus Suriname, über die ich ein andermal schreiben werde. Am nächsten Tag war ich wieder gesund! Ich war fassungslos und konnte es zuerst nicht glauben. Aber ich war tatsächlich komplett genesen. Das Magenzwicken wurde durch das scharfe surinamische Sambal aus Madame Jeanette vertrieben und die anderen Beschwerden hat die Lauge der Brezen plattgemacht. Dank echten Soulfoods, das mit viel Liebe zubereitet wurde. Eine Liebe, die im wahrsten Sinne des Wortes durch den Magen geht.

Oh wie ich Dich liebe. Immer versammelst Du das Beste aus aller Welt. Schlaues, schönes, geliebtes Amsterdam!

2 Kommentare

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    Reagieren Marie-Theres Schmidt 11. May 2011 at 12:59

    Mann, dass sieht so muckelig aus! Ich bin neidisch…eine warme Butterbrezel – da würde ich jetzt alles fur geben!

    Das wäre eine echte Marktlücke für Portugal – ein kleines deutsches Frühstückskaffee mit warmen Semmeln und Brezen!!!

  • Asisa
    Reagieren Asisa 11. May 2011 at 18:48

    Oh Mann ja! Eine Marktlücke auf der ganzen Welt tatsächlich – blöd, dass man Brezen nicht einfach selbst backen kann. Für die Lauge muss man echt in Bayern sein, zu speziell. Es ist sogar verboten, sie hier von A-Z zuzubereiten! Sie kommen vorbereitet hier an und werden dann gebacken, Wahnsinn. Sind aber mordsgut! 😉

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